Beschluss der BAG Wissenschaft, Hochschule, Technologiepolitik vom 21.04.2024 (Erfurt)
1. Hochschule als Vorbild nach innen und außen
Im Jahr 2042 sind die Hochschulen Orte des offenen Diskurses und des gegenseitigen Lernens, die auf den freien Austausch von Ideen und Wissen setzen, um die besten Lösungen für sich und die Gesellschaft als Ganzes zu finden. Die Hochschullandschaft ist feministisch, diskriminierungsfrei, antifaschistisch und tolerant. Sie dient als Modell für soziale Gerechtigkeit und Inklusion und fördert familiengerechte Strukturen. Die Hochschulen sind zu diesem Zeitpunkt klimaneutral und setzen den Stand der Forschung auch intern um,
zum Beispiel durch Plus-Energiehäuser. Sie betreiben eine effiziente und effektive Verwaltung unter Einsatz digitaler Prozesse und wahren den Datenschutz.
Die selbstverwalteten Hochschulen des Jahres 2042 haben die Demokratie nach innen und außen gestärkt. Die Hochschulentwicklung wird offen diskutiert, und sowohl Vertretungen von Studierenden und Promovierenden als auch Vertretungen des weiteren wissenschaftlichen Personals und der Mitarbeitenden der Technik und Verwaltung haben eine starke Stimme. Die Hierarchien sind abgebaut, und eine teamorientierte Führung hat sich durchgesetzt.
2. Kommunikation und Vernetzung nach außen
Die Hochschulen sehen Wissenschaftskommunikation in die Gesellschaft als eine ihrer originären Aufgaben an. Wissenschaftler*innen werden dabei auf zentraler und ggf. auch auf dezentraler Ebene unterstützt.
Servicelearning und Projektlabore sind ein integraler Bestandteil von Forschung und Lehre. Die Hochschulen sind regional verankert und arbeiten eng mit der Stadt bzw. der Region zusammen. Bürger*innen finden in der Hochschule Ansprechpartner*innen. Dialogformate mit der Bevölkerung sind institutionalisiert.
3. Verantwortungsbewusste Forschung
Im Jahr 2042 ist Open Science Standard an den Hochschulen. Sie gehen transparent mit Forschungsergebnissen um. Innovative Forschung, wie Reallabore oder tierfreie Forschungsmethoden, sind etabliert und werden ständig weiterentwickelt.
Der Grundsatz „Public Money – Public Code“ wird konsequent umgesetzt. Die Hochschulen gehen verantwortungsbewusst mit ihren Finanzmitteln um und reflektieren die gesellschaftlichen Folgen ihrer Forschung.
Ethikkommissionen sind an allen Hochschulen etabliert, gut ausgestattet und unterstützen bei der Bewertung von Forschungsvorhaben, um ethische Aspekte und die gesellschaftlichen Auswirkungen von Forschungsergebnissen stärker in den Fokus zu rücken.
4. Das Spektrum gesellschaftlicher Erwartungen
Im Jahr 2042 gibt es in der Gesellschaft ein vertieftes Verständnis für die Aufgaben, Arbeitsweisen und Rahmenbedingungen von Hochschulen. Jedoch wird es auch im Jahr 2042 unterschiedliche Auffassungen darüber geben, wie eine Hochschule aussehen soll und wie Forschung und Lehre weiterentwickelt werden sollen. Die sich daraus ergebenden Spannungsfelder und Konflikte, insbesondere
- anwendungsorientierte vs. Grundlagenforschung,
- zügige Ausbildung vs. Freiraum für persönliche und fachliche Weiterentwicklung,
- gesellschaftliches Engagement der Hochschulen und ihrer Organe vs. Verpflichtung zur
Neutralität, - Ausrichtung der Forschung nur auf gesellschaftliche Aufgaben vs. freie Wahl,
werden mit Respekt transparent und sachlich erörtert. Dabei wird verstanden, dass es keine Schwarz-Weiß-Antworten geben kann, dass die Bewertung situations- und ortsabhängig sein muss und dass allgemein beide Seiten der Spannungsfelder immer berücksichtigt werden sollten.
5. Fazit
Im Jahr 2042 ist das Streben nach gesellschaftlicher Relevanz und Verantwortung Teil des Selbstverständnisses der Hochschulen. Sie verstehen, dass ihre Forschung und Lehre einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung einer gerechteren und nachhaltigeren Gesellschaft leisten können.
Die Hochschule des Jahres 2042 ist nicht nur ein Ort des Lernens und der Forschung, sondern auch ein Ort des Engagements und der Teilhabe. Sie ist ein lebendiger Teil der Gesellschaft, der dazu beiträgt, die Welt von morgen zu gestalten.